Dr. Stefan Liekam

Warum du an Mustern scheiterst,
die du längst verstanden hast

Es gibt eine Frage, die mir regelmässig gestellt wird, vor allem von Menschen, die im Alltag immer wieder auf bestimmte Widerstände stossen, obwohl sie schon seit Jahren an sich arbeiten.

Dieselbe Frage betrifft aber auch all diejenigen, die berufsbedingt oft schwierige Gespräche oder Verhandlungen führen müssen und dabei bemerken, dass ihre Wirkung nicht immer dem entspricht, was sie eigentlich können.

Ausserdem habe ich die Frage schon häufig von erfahrenen Unternehmern, CEOs und auch von erfolgreichen Selbstständigen zu hören bekommen, denen im Laufe der Zeit mehr als einmal bewusst geworden ist, dass die steigende Komplexität in ihrem Business ihre gewohnten Verhaltensmuster zunehmend an ihre Grenzen bringt.

Die Frage lautet: «Warum passiert das immer noch?»

Viele Menschen wissen sehr genau, was sie nicht mehr wollen und was ihnen im Weg steht. Oder zumindest glauben sie, es zu wissen. Einige kennen auch Methoden, mit denen man derartige Probleme lösen kann – oder lösen können sollte – und die angeblich bei anderen in ähnlichen Situationen funktioniert haben.

Wer positive Erfahrung mit Coaching, Seminaren oder Workshops gemacht hat, kennt das Gefühl, durch neue Perspektiven Zusammenhänge besser zu verstehen, Reaktionsmuster leichter zu durchschauen und Veränderungen zu bewirken.

Und trotzdem: In bestimmten Situationen, mit bestimmten Gesprächspartnern, unter einem bestimmten Druck reagiert das eigene System fast genauso wie vor zehn oder zwanzig Jahren. Als hätte der Verstand nichts zu melden.

So etwas passiert uns nicht deshalb, weil wir zu wenig verstehen. Es passiert, weil Verstehen das falsche Werkzeug ist, um das Problem zu lösen.

Was uns wirklich steuert

Es gibt Gedanken, die uns das Denken schwer machen, Gefühle, die auftauchen, ohne wirklich Sinn zu ergeben oder hilfreich zu sein, und Verhaltensweisen, mit denen wir uns selbst im Weg stehen. Und natürlich gibt es Reaktionen, die schneller sind als jeder Vorsatz und die manchmal weit unter unserem Intelligenzniveau liegen.

In Konflikten, zwischenmenschlichen Beziehungen und Entscheidungssituationen zeigen sich immer wieder bestimmte Muster, die nicht zu unserem Vorteil sind. Am deutlichsten oft in Momenten, in denen wir genau das tun, was wir nicht tun wollten, oder etwas vermeiden, das wir uns vorgenommen hatten.

Das sind nicht einfach schlechte Gewohnheiten oder Fehlschaltungen im Gehirn, auch wenn das natürlich eine bequeme Erklärung wäre.

Es ist ein Überlebensprogramm. Ein Drehbuch im Nervensystem, das Weichen stellt und für uns Entscheidungen trifft, bevor sich der Verstand überhaupt einschaltet. Ein inneres Skript, das jede Szene mitbestimmt, die sich in unserem Leben abspielt, und von der wir uns immer wieder vorschreiben lassen, wer wir glauben und uns erlauben, zu sein.

Unser internes Drehbuch enthält die Antworten auf viele prägende Erfahrungen, durch die wir gelernt haben, wie die Welt funktioniert. Es gibt uns vor, was wir tun und wer wir sein müssen, um zu überleben und in unserem sozialen Umfeld akzeptiert zu werden. Es definiert, mit welchen Gefühlszuständen wir Sicherheit und Kontinuität verbinden, nur weil wir diese Gefühle aus unserer Vergangenheit kennen und sie «gewohnt» sind.

Vor allem ist es aber auch der häufigste Grund, warum wir im Leben nicht immer das bekommen, was uns eigentlich wichtig ist.

Viele Menschen haben das Gefühl, auf diese inneren Steuermechanismen keinen Einfluss zu haben. Doch die Regieanweisungen unseres inneren Drehbuchs sind keineswegs Zeile für Zeile in die steinernen Wände unseres Unterbewusstseins gemeisselt. Sie leben in unserem Nervensystem und lassen sich verändern.

Nicht durch Nachdenken, Willensanstrengung oder positive Selbstgespräche, sondern durch etwas, das tiefer greift. Und das hat nichts mit Therapie zu tun.

«Ich leite seit 30 Jahren mein eigenes Unternehmen. In dieser Zeit habe ich immer alles erreicht, was ich wollte, aber ich habe dafür oft viel zu viel Kraft gebraucht. Stefan hat mir in den letzten Jahren geholfen, das zu ändern. Nicht durch theoretische Konzepte, sondern durch eine Art zu arbeiten, die sofort greift. Er versteht Situationen und Menschen extrem schnell, selbst wenn er nur minimale Informationen über sie hat, spiegelt einem konstruktiv das eigene Verhalten und gibt konkrete Hinweise, mit denen man schwierige Gegenüber gezielt steuern kann. Früher bin ich in Konflikte einfach reingelaufen und habe mit Druck gearbeitet. Heute gehe ich dieselben Gespräche in einer Ruhe an, die mir früher nicht möglich gewesen wäre, und komme mit einer intelligenteren Vorgehensweise zu besseren Ergebnissen. Eine meiner Mitarbeiterinnen hat es so formuliert: ‹Deine Weiterentwicklung in den letzten Jahren war extrem. Das zeigt mir, dass Weiterentwicklung nicht abhängig ist vom Alter.›»

— Erich Marte, Unternehmer und Agenturinhaber

Was im Hintergrund abläuft

Was uns am stärksten im Leben zurückhält, sind selten die Überzeugungen, für die wir uns bewusst entschieden haben. Was uns am meisten ausbremst, sind die Bedeutungen, die unser Nervensystem mit bestimmten Erfahrungen verknüpft hat, vor allem in kritischen oder bedrohlich wirkenden Momenten, in denen wir scheinbar keine andere Wahl hatten.

Wenn eine zugeschriebene Bedeutung damals eine entscheidende Funktion erfüllt hat, ist sie für unser Nervensystem heute noch relevant. Selbst wenn wir die ursprünglich damit verbundenen Interpretationen und Schlussfolgerungen mittlerweile für falsch, naiv oder bestenfalls aus Windelträgerperspektive für zielführend halten.

Unser Nervensystem ermöglicht es uns, in einer komplexen Welt Entscheidungen zu treffen, die unser Verstand niemals vollständig berechnen kann. Es macht unser Leben für uns leichter handhabbar, aber unsere Ziele nicht immer leichter erreichbar. Auch weil das, was die meisten Menschen im Alltag als «freien Willen» bezeichnen, zu einem erheblichen Teil auf Vorentscheidungen basiert, auf die unser rationales Denken keinen Einfluss hat.

Das Nervensystem unterscheidet nicht zwischen Vergangenheit und Gegenwart.

Es erkennt etwas, das dem alten Auslöser ähnelt, und reagiert mit der gewohnten Strategie, noch bevor der Verstand überhaupt bemerkt hat, das er gerade vom Fahrersitz auf den Beifahrersitz teleportiert wurde.

Das ist der Grund, warum wir in einem Gespräch, bei dem viel auf dem Spiel steht, plötzlich das Falsche sagen oder nachgeben, obwohl wir perfekt vorbereitet waren. Warum wir bei einer bestimmten Person keine Stellung beziehen, auch wenn die Argumente auf unserer Seite sind. Warum bemühte Versuche zu ungewünschten Ergebnissen führen können.

Warum wir manchmal unnötig emotional, frustriert oder wütend reagieren, obwohl wir eigentlich ruhig und gelassen bleiben wollten. Warum es überhaupt Situationen gibt, in denen wir uns selbst im Weg stehen. Aber auch, warum wir uns vielleicht sogar nach manchen Gesprächen fragen: «Habe ich das wirklich gerade gesagt?»

Ja, es war tatsächlich keine Einbildung. Aber es war auch keine bewusste Entscheidung. Es war der Einfluss eines Musters, das uns heute mehr Nachteile als Nutzen bringt.

Jedes Problem ist ein Kommunikationsproblem.

Das klingt vielleicht übertrieben, doch wenn wir unsere Ignoranzbrille abnehmen, sehen wir es überall:

Der Konflikt, der bereits seit Monaten schwelt. Die Verhandlung, die immer wieder ins Stocken gerät. Der Mitarbeiter, der sich nur schwer führen lässt. Der Nachbar, mit dem kaum zu reden ist. Die Beziehung, die langsam erstickt oder immer mehr an Bedeutung verliert. All das sind nur die offensichtlichen Fälle. Aber da ist noch mehr.

Entscheidungen, die immer wieder aufgeschoben oder hinterfragt werden. Situationen, die sich ungut anfühlen, obwohl kein Problem da sein sollte. Ziele, die nur halbherzig oder vielleicht sogar nie verfolgt werden, obwohl die Schritte längst klar sind. Eingefahrene Verhaltens- und Reaktionsmuster, die sich wiederholen, obwohl sie kontraproduktiv sind.

Auch das sind Kommunikationsprobleme. Nicht zwischen Menschen, sondern zwischen Instanzen im eigenen System. Selbstverursacht, ganz ohne fremde Hilfe.

Verstand und Nervensystem sprechen verschiedene Sprachen.

Der Verstand argumentiert, das Nervensystem reagiert. Der Verstand plant die Zukunft, das Nervensystem wiederholt die Vergangenheit. Der Verstand will Veränderung, das Nervensystem sucht Stabilität.

Die meisten Lösungsansätze richten sich an den Verstand. Bessere Strategien, klarere Ziele, mehr Willenskraft, mehr Information, mehr T-Shirt-Sprüche zur Selbstmotivation. Das kann viel Energie kosten, aber häufig funktioniert es – mal besser, mal schlechter –, so lange, bis es nicht mehr funktioniert.

Bis der Moment kommt, in dem unser Nervensystem übernimmt und die alten Muster stärker sind als jede bewusste Entscheidung. Der Augenblick, in dem wir so reagieren, wie wir nicht reagieren wollten, oder genau das nicht tun, was wir eigentlich geplant hatten. Die Situation, in der wir uns vielleicht sogar so unklug verhalten, dass wir es sofort wieder vergessen wollen.

Es geht nicht um Charakterschwäche, sondern um Fehlkommunikation.

Unser Nervensystem bestimmt, was sich für uns «richtig» oder «falsch», «besser» oder «schlechter», «machbar» oder «unerreichbar», «sicher» oder «riskant», «unwiderstehlich» oder «zum Weglaufen» anfühlt, meist ohne dass wir es ernsthaft hinterfragen.

Vielen Menschen fällt es schwer, diese Sprache wirklich zu verstehen oder ihren ständigen Einfluss bewusst wahrzunehmen. Sie bekämpfen Symptome und überschreiben immer wieder Signale mit ihrer Willenskraft. Sie ignorieren, was ihr Körper ihnen sagt, bis er irgendwann lauter wird. Und selbst dann gelingt es ihnen nur selten, die Botschaften richtig zu interpretieren.

Nur wer lernt, auf diese innere Kommunikation Einfluss zu nehmen, kann Probleme an der eigentlichen Wurzel lösen. Nicht durch mehr Anstrengung, sondern indem wir unserem Nervensystem die Freiheit geben, bessere Alternativen zu wählen, und das loszulassen, was uns nicht mehr dient und längst zum Bremsklotz geworden ist.

All das betrifft nicht nur unsere innere Kommunikation.

Was in uns passiert, bleibt nicht innen. Was unser Nervensystem aussendet, empfangen auch die Menschen, die mit uns in Kontakt kommen. Unbewusst, ungeschönt und ungefiltert, schon bevor das erste Wort gesprochen wird.

Manche Menschen betreten einen Raum und etwas verändert sich. Sie machen Eindruck, ohne sich bemühen zu müssen. Sie überzeugen niemanden, ihre Gesprächspartner überzeugen sich selbst. Ihre persönliche Wirkung verschafft ihnen scheinbar «unfaire» Vorteile. Nicht durch das, was sie mit Worten kommunizieren, sondern durch das, was ihr System signalisiert.

Andere sagen zwar die richtigen Worte, aber kommen trotzdem nicht an. Weil ihr eigenes Nervensystem gegen sie arbeitet. Verhandlungspartner hören ihre Argumente, aber sie reagieren nicht wie erhofft. Mitarbeiter folgen ihren Anweisungen, weil sie es müssen, nicht weil sie es wollen. Freunde fragen sie nach ihrer Meinung, doch sie folgen selten ihrem Rat. Menschen, die sie kennenlernen, sehen sie zwar, aber sie sehen nicht, wer sie wirklich sind.

Tatsächlich sind Worte selten das grösste oder eigentliche Problem.

Das Problem ist das, was unter den Worten liegt: die Botschaften, die unser Nervensystem kommuniziert, während unser Verstand noch sein Hörgerät sucht. Botschaften, die nicht nur Gefühle und Verhalten steuern, sondern auch Identität formen.

Wer das versteht, sieht Kommunikation anders. Wer es verändern kann, verändert viel mehr als nur Gespräche.

«Dass ich etwas in mir verändern musste, um von anderen Menschen anders wahrgenommen zu werden, wurde mir erst im Coaching mit Stefan klar. Wo ich immer von fachlichen Problemen ausgegangen war, bestand in Wahrheit ein reines Wirkungsproblem. Ich hatte mich monatelang ins Zeug gelegt, aber was ich kommunizierte, kam bei den entscheidenden Personen nicht an. Dabei hatte ich die Situation im Wesentlichen selbst gebaut und mir meine Wirkung kaputtgemacht, ohne es zu sehen. Jede Coaching-Session brachte Ergebnisse, die auf mich zugeschnitten und nicht wegzureden waren. Der starke Druck, den ich körperlich gespürt habe, hat sich vollständig aufgelöst, obwohl die Arbeitsbelastung eher höher geworden ist. Ich bekomme heute auf das, was ich sage, völlig andere Reaktionen, ohne dass ich etwas erzwingen muss.»

— Bettina Duldner, Projektleiterin

Mein Hintergrund

Was ein Lebenslauf abbildet, ist nur ein kleiner Ausschnitt der Realität. Fast schon wie bei einem unvollständigen Inhaltsverzeichnis, dem man nicht ansieht, welche Überschriften fehlen. Und bei dem ausserdem niemand genau weiss, was sich hinter den vorhandenen Überschriften verbirgt.

Hier meine Checkliste, weil manche sie gerne lesen:

Über 25 Jahre Arbeit mit Menschen. Als Coach, Berater, Business-Ghostwriter, Seminarleiter und anderes mehr. In Kontexten, die unterschiedlicher kaum sein könnten.

Multidisziplinärer akademischer Hintergrund in Psychologie, Pädagogik, Philosophie und Medizin. Magister- und Promotionsabschluss. Dissertation über zwischenmenschliche Wahrnehmung.

Jahrzehnte an Weiterbildung. Bei Praktikern, nicht in Hörsälen. Seit 1998 eigene Seminare zu Intuition, Menschenkenntnis und diversen weiteren Themen, die sonst nur selten auf vergleichbare Weise vermittelt werden. Seit 2013 Arbeit mit traumainformierten Ansätzen.

So weit der formale Teil, der letztlich nur wenig erklärt.

Was sich schwerer beschreiben lässt, jenseits der Checkliste:

Die Fähigkeit, in einem Gespräch das zu hören, was nicht gesagt wird, und dabei Muster zu erkennen, die der andere nicht sieht. Fragen zu stellen, die etwas in Bewegung bringen, das vorher festsass. Zu sehen oder zu ahnen, was wirklich gebraucht wird, um das scheinbar Unerreichbare möglich zu machen.

Das ist keine Technik, die man irgendwo lernt, sondern eine Synergie aus vielen Techniken und die Erfahrung aus Tausenden von Gesprächen. Aber auch das Ergebnis von manchmal idiotischen Fehlern, die mir wichtige Lernerfahrungen erst ermöglicht haben. Es ist das, was ich aus eigenen blinden Flecken gelernt habe, die für mich dank anderer Menschen erst sichtbar wurden. Und damit die Konsequenz aus Perspektiven, die sich über Jahrzehnte entwickelt haben.

Von damals bis heute:

Für mich hat alles in Seminarräumen und im Grossstadtumfeld angefangen. Heute arbeite ich mit meinen Klienten überwiegend online aus meinem Homeoffice. Direkt am Waldrand im zweitgrössten Nationalpark Österreichs, wo Feuersalamander meine direkten Nachbarn sind, die bisher kein Interesse zeigen, sich von mir coachen zu lassen.

Was ich tue und welche Herangehensweisen ich nutze, hat sich in den letzten Jahrzehnten deutlich weiterentwickelt, zumal auch die Welt nicht stehengeblieben ist. Trotzdem gibt es eine Beobachtung, die ich immer schon bei den meisten meiner Klienten gemacht habe, ohne dass sich daran jemals etwas geändert hat:

Was fast jeder übersieht

Wir erkennen oft schnell, wo sich andere im Weg stehen. Bei uns selbst sehen wir es nicht. Oder weniger klar. Oder nur teilweise. Oder zu spät. Wenn wir es überhaupt sehen wollen.

Und genau hier beginnt die eigentliche Arbeit.

Die meisten Menschen verwechseln ihre subjektive Interpretation der Realität mit objektiver Wahrnehmung, ihre Reaktivität mit zumindest teilweiser Reflektiertheit und ihre gewohnten Grenzen mit den Grenzen des Möglichen.

Das sind nicht einfach nur Denkfehler oder subtile Anzeichen von Frühvergreisung. Es ist die ganz normale Funktionsweise eines Systems, das auf Effizienz und Selbsterhalt ausgelegt ist, anstatt auf Wachstum und Veränderung.

Was die wenigsten gerne hören:

Je intelligenter ein Mensch ist, umso elaborierter sind oft die Geschichten, mit denen er seine Reaktionen erklärt oder rechtfertigt, und desto überzeugender die gewohnten Rationalisierungen. Umso gewöhnungsbedürftiger aber vielleicht auch der Gedanke, ein Problem nicht alleine lösen zu können. Und umso unsichtbarer die blinden Flecken.

Wer es gewohnt ist, zu verstehen und Recht zu haben, hat es häufig schwerer, Verzerrungen in der eigenen Wahrnehmung zu erkennen. Nicht wenn es um objektiv messbare Fakten geht, sondern wenn es um die subtilen Mechanismen geht, die ständig in uns wirken.

Doch auch Erkennen alleine bewirkt noch keine echte Veränderung.

Was wirklich zu tun ist

Muster, die tief in unserem Nervensystem verankert sind, sind keine Wahrheiten. Es sind emotional-mentale Konstrukte, die nicht durch mentale Analyse wirkungslos werden.

Sie lösen sich erst dann auf, wenn sie ihre Bedeutung verlieren.

Das klingt abstrakt, doch der Mechanismus dahinter ist sehr konkret.

Ein tiefliegendes Muster bleibt aktiv, solange das Nervensystem ihm eine Funktion zuschreibt. Schutz. Kontrolle. Selbsterhaltung. Zugehörigkeit. Solange diese Funktion als notwendig wahrgenommen wird, wird das Muster verteidigt, auch wenn der Verstand weiss, dass es falsch oder fehlerhaft ist.

Der Durchbruch passiert nicht, wenn wir ein Muster mit genügend Willenskraft bekämpfen.

Er passiert, wenn unser System erlebt, dass die damit verbundene Funktion nicht mehr benötigt wird. Nicht durch Nachdenken über das Problem, sondern durch eine Erfahrung, die dem Nervensystem neue Spielräume gibt. Also durch einen Erkenntnisprozess, der tiefer greift als rationales Verstehen.

Wie ich arbeite

Eine Session mit mir ist ein Gespräch. Keine Gesprächstherapie, kein Kaffeekränzchen, kein verbales Sparring, sondern Wahrnehmungstraining.

Die Gespräche sind nicht unangenehm, aber meist herausfordernd. Es geht um Themen, die die wenigsten gerne ansehen, und oft um unbequeme Wahrheiten. Fast immer geht es aber auch darum, innere Hürden mit Humor zu nehmen. Weil die Freiheit, die wir letztlich alle wollen, hinter Widerständen liegt, denen wir uns bisher nicht gestellt haben.

Innere Konflikte aufzulösen kann sich im ersten Moment anstrengend anfühlen. Genauso wie das Annehmen neuer Möglichkeiten und das Integrieren ungewohnter Sichtweisen.

Trotzdem ist dieser Weg weniger mühsam, als noch Jahre weiterzumachen wie bisher.

Die Ergebnisse sehen immer wieder anders aus:

Gedanken, mit denen wir uns lange selbst im Weg gestanden haben, verlieren an Bedeutung oder bleiben weg. Stress- und Druckgefühle verschwinden. Ungewünschte Reaktionsmuster werden nicht mehr ausgelöst oder sind leichter zu verhindern. Neue Gedanken und Ideen werden zugänglich, wo vorher das Denken blockiert war. Innere und äussere Konflikte werden lösbar oder lösen sich von selbst.

Drei Beispiele aus meiner Praxis:

Eine Klientin kam zu mir mit einem Thema, das sie seit 25 Jahren begleitete. Sie war zwischenmenschlich kompetenter und fachlich stärker als die meisten ihrer Vorgesetzten in ihrer Berufslaufbahn, und es war ihr bewusst. Trotzdem machte sie sich fast immer in deren Gegenwart klein. Natürlich nicht absichtlich. Es passierte einfach. Besonders häufig in Meetings, in wichtigen Abstimmungen und in Momenten, in denen sie hätte klar Stellung beziehen können und oft auch fehlerhafte Abläufe direkt kritisieren müssen. Ihr war klar, dass sie sich falsch verhielt, und sie wusste, dass es keinen rationalen Grund dafür gab. Aber sie konnte es nicht ändern.

Nach einer einzigen Session hatte sich ein Muster aufgelöst, das sie jahrzehntelang beeinflusst hatte. Es war nicht nur abgeschwächt oder besser kontrollierbar. Es war weg. Der Umgang mit ihren Vorgesetzten veränderte sich grundlegend. In den folgenden Sessions bearbeiteten wir weitere Stressauslöser, die mit dem ursprünglichen Muster zusammenhingen. Dabei legte jede Session zusätzliche innere Ressourcen frei, die sie seitdem ganz selbstverständlich in früher schwierigen Situationen nutzt.

Heute ist ihr Arbeitsumfeld immer noch genauso fordernd und sie ist immer noch viel damit beschäftigt, Probleme zu lösen, die sie nicht verursacht hat. Aber ihre Wirkung auf die Menschen in ihrem Arbeitsumfeld hat sich völlig verändert. Und die Muster, die lange Zeit den Stress für sie potenziert haben, sind nicht mehr da.

Ein Unternehmer, mit dem ich bereits seit vielen Jahren immer wieder arbeite, kam mit einem Problem zu mir, das ihn irritierte. Er leitet ein grosses Vertriebsteam, verhandelt seit Jahrzehnten auf höchster Ebene und ist es gewohnt, den Ton anzugeben. Doch ein neuer Vertreter des Mutterkonzerns löste bei ihm deutlich mehr Stress aus, als für ihn rational nachvollziehbar war. Nicht weil der Mann besonders kompetent oder bedrohlich gewesen wäre. Im Gegenteil. Aber irgendetwas in der Dynamik aktivierte eine Reaktion, die nichts mit der aktuellen Situation zu tun hatte.

Was wir fanden, war eine einzige Überzeugung aus seiner Kindheit, die sich in einem Satz zusammenfassen liess. Ein Satz, der ihn sein ganzes Leben lang begleitet hatte, ohne dass er ihn je bewusst formuliert hätte. Es war nur eine Session nötig, um diesen Worten ihre Wirkung zu nehmen. Als der nächste Kontakt mit dem «Auslöser» stattfand, war das ungerechtfertigte Stressgefühl nicht mehr da. Der Name der Person, die das Problem zum Vorschein gebracht hatte, fiel auch später noch gelegentlich. Doch das bearbeitete Stressthema tauchte nicht wieder auf.

Ein Headhunter rief mich am frühen Nachmittag an. Seine Situation hatte er in wenigen Sätzen erklärt. Er war erfolgreich im obersten Segment seiner Branche. 60-Stunden-Arbeitswoche und trotzdem liebevoller und ausgeglichener Vater und immer alles unter Kontrolle. Bis seine Frau plötzlich durch eine gesundheitliche Krise ausfiel und sich von einem Tag auf den anderen nicht mehr um die Kinder kümmern konnte. Innerhalb kürzester Zeit wurde aus «alles im Griff» ein Stresslevel, das seinen Schlaf ruinierte.

Als er mich anrief, hatte er «seit 10 Tagen keine Nacht mehr geschlafen», wie er selbst sagte. Der Stress begann sich auf seine berufliche Leistung auszuwirken. Kein Burnout, keine Schlafstörung im medizinischen Sinn. Aber ein Körper, der klar signalisierte, dass es so nicht weitergehen konnte. Ich war damals gerade auf dem Weg nach Deutschland, also flog er noch am selben Tag von Zürich nach München, um mich dort persönlich zu treffen. Eine Session. Danach schlief er wieder normal. Wir blieben noch lange in Kontakt und das Thema kam nie zurück.

Jeder Mensch und jedes Problem ist anders, sodass jeder andere Ergebnisse bekommt. Was im Einzelfall passiert, kann sich nur im Gespräch zeigen. Beschreibungen ersetzen nicht die eigene Erfahrung.

«Stefan sieht Dinge, bei denen man nicht versteht, woher er sie hat. Vor ein paar Jahren habe ich ihm zwei Ferienfotos einer mir nahestehenden Person gezeigt, ohne Kontext. Die Fotos waren zufällig ausgewählt. Er hat kurz überlegt und gesagt: ‹Die ist halt extrem frustriert›. Am selben Abend habe ich sie darauf angesprochen. Ihre Antwort war: ‹Ja, ich bin extrem frustriert.› Gefolgt von fast Weinen, aber nur fast. Ich war perplex, weil mir das zu keinem Zeitpunkt aufgefallen war. Und das war kein Einzelfall, sondern eine von vielen unerklärbaren, aber richtigen Aussagen von Stefan. Die Sessions mit ihm bringen schnell Veränderungen, die bleiben. Direkt am Abend nach meiner ersten Session habe ich mit Snusen aufgehört, ohne die Symptome durch Nikotinentzug, die ich von früheren Versuchen kannte. Seitdem melde ich mich, wenn ich einen innerlichen Widerstand habe oder ein Thema zu lange im Kopf ausbrüte. Es gibt in meinem gesamten Umfeld niemanden, von dem ich vergleichbare Ergebnisse kenne.»

— Silvan Jung, Finanzberater und Verkaufsleiter

Was notwendig ist

Es gibt Themen, die sich in einem einzigen Gespräch aus der Welt schaffen lassen, weil nur wenige Muster zu klären sind. Andere Themen erfordern mehrere Gespräche. Oft wirken verschiedene Themen zusammen, die aufeinander aufbauend gelöst werden müssen. Ein festes Schema gibt es dabei nicht.

Was es gibt, sind Ergebnisse, die meist schneller eintreten als erwartet, und Veränderungen, die mit anderen Ansätzen nie bewirkt wurden, weil sie mit den bisherigen Strategien nicht erreichbar waren.

Die wichtigste Voraussetzung hierfür ist die Bereitschaft, wirklich hinzusehen.

Nicht nur zu reden, nicht nur mental verstehen zu wollen, sondern Gefühle zuzulassen, den eigenen Anteil zu sehen und Veränderung anzunehmen, auch wenn es sich im ersten Moment ungewohnt anfühlt.

Im Grunde sollte diese Haltung selbstverständlich sein, aber das ist sie nicht. Jedenfalls nicht für jeden.

Viele Menschen wollen Veränderung. Doch manche wollen die Resultate ohne den Prozess. Sie suchen Antworten, während sie gleichzeitig den entscheidenden Fragen ausweichen. Sie wollen Klarheit, ohne die Reinigung, die dafür oft nötig ist.

Wer bereit ist, den eigenen Teil beizutragen, bekommt Ergebnisse. Wer nicht dazu bereit ist, bekommt sie woanders auch nicht.

Der nächste Schritt

In einer ersten Session stelle ich viele Fragen und höre genau zu. Dabei achte ich nicht nur auf die Worte, die gesagt werden. Ich nehme auch wahr, was mir das Nervensystem meines Gegenübers vermittelt. Um Impulse geben zu können, die so niemand zuvor gegeben hat, und das Blickfeld auf eine Weise zu erweitern, die bisher ungenutzte innere Ressourcen nutzbar macht.

Wer herausfinden will, was auf diesem Weg möglich und erreichbar ist, schreibt eine E-Mail oder nutzt das Kontaktformular.

Ein paar Sätze zur Situation und zu den Themen, die nicht optimal laufen. Zur eigenen Sichtweise und vielleicht zum gewünschten Ergebnis. Ob nur zwei bis drei Sätze oder etwas länger, spielt keine Rolle. Es muss auch nicht perfekt formuliert sein, zumal ich ohnehin der Einzige bin, der es liest.

Auf die Nachricht antworte ich in der Regel innerhalb von 48 Stunden. Dann folgt ein erstes Gespräch. 30 Minuten, in denen wir klären, wo die eigentlichen Hebel liegen, und die zeigen, ob eine Zusammenarbeit sinnvoll ist.

Meine E-Mail-Adresse: mail@liekam.com

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