Dr. Stefan Liekam

Warum du an Mustern scheiterst,
die du längst verstanden hast

Es gibt eine Frage, die mir immer wieder gestellt wird.

Häufig von Menschen, die schon seit Jahren an sich arbeiten und die im Alltag trotzdem immer wieder auf bestimmte Widerstände stossen.

Noch häufiger allerdings von Menschen in anspruchsvollen beruflichen Positionen, die oft schwierige Gespräche führen oder Verhandlungen zielführend steuern müssen. Und die bemerken, dass ihre Wirkung nicht immer dem entspricht, was sie eigentlich können.

Aber auch von vielen Unternehmern oder Selbstständigen, denen im Laufe der Jahre mehr als nur einmal bewusst geworden ist, dass die steigende Komplexität in ihrem Business ihre gewohnten Verhaltensmuster zunehmend an ihre Grenzen bringt.

Die Frage lautet: «Warum passiert das immer noch?»

Viele Menschen kennen ihr Problem und wissen, was sie nicht mehr wollen. Oder zumindest glauben sie, es zu wissen. Einige kennen auch Methoden, mit denen man solche Probleme lösen kann. Oder können sollte. Und die angeblich bei anderen in ähnlichen Situationen funktioniert haben.

Manche haben bereits jahrelange Erfahrung mit Coaching oder Therapie. Andere haben gelegentlich Seminare und Workshops besucht, die ihnen auch tatsächlich einiges gebracht haben.

Und trotzdem: In bestimmten Situationen, mit bestimmten Gesprächspartnern, unter einem bestimmten Druck reagiert ihr System fast genauso wie vor zehn oder zwanzig Jahren. Als hätte ihr Verstand nichts zu melden.

So etwas passiert uns nicht deshalb, weil wir das Problem zu wenig verstehen. Es passiert, weil Verstehen das falsche Werkzeug ist, um das Problem zu lösen.

Was uns wirklich steuert

Es gibt Gedanken, die uns das Denken schwer machen. Gefühle, die auftauchen, ohne wirklich Sinn zu ergeben oder hilfreich zu sein. Verhaltensweisen und Gewohnheiten, mit denen wir uns selbst im Weg stehen. Reaktionen, die schneller sind als jeder Vorsatz und die manchmal weit unter unserem Intelligenzniveau liegen.

In Entscheidungssituationen, zwischenmenschlichen Beziehungen und Konflikten zeigen sich immer wieder bestimmte Muster, die nicht zu unserem Vorteil sind. Besonders deutlich oft in Momenten, in denen wir genau das tun, was wir nicht tun wollten. Oder nicht das tun, was wir uns vorgenommen hatten.

Das sind keine Irrtümer oder Fehlschaltungen im Gehirn. Es ist ein Überlebensprogramm. Ein Drehbuch im Nervensystem, das Weichen stellt und für uns Entscheidungen trifft, bevor sich der Verstand überhaupt einschaltet. Ein inneres Skript, das jede Szene mitbestimmt, die sich in unserem Leben abspielt. Und das uns vorschreibt, wer wir glauben und uns erlauben, zu sein.

Unser internes Drehbuch enthält die Antworten auf viele prägende Erfahrungen, durch die wir gelernt haben, wie die Welt funktioniert. Es gibt uns vor, was wir tun und wer wir sein müssen, um zu überleben und in unserem sozialen Umfeld akzeptiert zu werden. Es definiert, mit welchen Gefühlszuständen wir Sicherheit und Kontinuität verbinden, nur weil wir diese Gefühle aus unserer Vergangenheit kennen und sie «gewohnt» sind. Und es ist der häufigste Grund, warum wir im Leben nicht immer das bekommen, was uns eigentlich wichtig ist.

Viele Menschen kennen das Gefühl, diesen inneren Steuermechanismen ausgeliefert zu sein. Doch die Regieanweisungen unseres inneren Drehbuchs sind keineswegs Zeile für Zeile in die steinernen Wände unseres Unterbewusstseins gemeisselt. Sie leben in unserem Nervensystem. Und sie lassen sich verändern.

Nicht durch Nachdenken, Willensanstrengung oder positive Selbstgespräche, sondern durch etwas, das tiefer greift. Und das hat nichts mit Therapie zu tun.

«Ich leite seit 30 Jahren mein eigenes Unternehmen. In dieser Zeit habe ich immer alles erreicht, was ich wollte, aber ich habe dafür oft viel zu viel Kraft gebraucht. Stefan hat mir in den letzten Jahren geholfen, das zu ändern. Nicht durch theoretische Konzepte, sondern durch eine Art zu arbeiten, die sofort greift. Er versteht Situationen und Menschen extrem schnell, selbst wenn er nur minimale Informationen über sie hat, spiegelt einem konstruktiv das eigene Verhalten und gibt konkrete Hinweise, mit denen man schwierige Gegenüber gezielt steuern kann. Früher bin ich in Konflikte reingelaufen und habe mit Druck gearbeitet. Heute gehe ich dieselben Gespräche in einer Ruhe an, die mir früher nicht möglich gewesen wäre, und komme mit einer intelligenteren Vorgehensweise zu besseren Ergebnissen. Eine meiner Mitarbeiterinnen hat es so formuliert: ‹Deine Weiterentwicklung in den letzten Jahren war extrem. Das zeigt mir, dass Weiterentwicklung nicht abhängig ist vom Alter.»

Erich Marte, Unternehmer und Agenturinhaber

Was im Hintergrund abläuft

Was uns am stärksten im Leben zurückhält, sind selten die Überzeugungen, für die wir uns bewusst entschieden haben. Es sind die Bedeutungen, die unser Nervensystem mit bestimmten Erfahrungen verknüpft hat. In kritischen Momenten, in denen wir scheinbar keine andere Wahl hatten.

Der Bewertungsmechanismus, der hier unbewusst abläuft, hat eine eigene Logik.

Wenn eine zugeschriebene Bedeutung damals eine entscheidende Funktion erfüllt hat, ist sie für unser Nervensystem heute noch relevant. Selbst dann, wenn wir die ursprünglich damit verbundenen Interpretationen und Schlussfolgerungen mittlerweile für völlig falsch oder veraltet halten.

Unser Nervensystem arbeitet im Verborgenen, ganz ohne Pausen oder Ferien. Es hilft uns, in einer komplexen Welt Entscheidungen zu treffen, die unser Verstand niemals vollständig berechnen kann. Und was die meisten im Alltag als «freien Willen» bezeichnen, basiert zu einem erheblichen Teil auf Vorentscheidungen, auf die unser rationales Denken keinen Einfluss hat.

Deshalb gibt es Gedanken, die sich jahrelang im Kreis drehen. Deshalb fühlen sich manche Situationen immer wieder ähnlich an, obwohl sich die Umstände längst geändert haben. Deshalb gibt es Reaktionen, die im Nachhinein kaum verständlich sind, aber im jeweiligen Moment automatisch ablaufen.

Das Nervensystem unterscheidet nicht zwischen Vergangenheit und Gegenwart.

Es erkennt etwas, das dem alten Auslöser ähnelt, und reagiert mit der gewohnten Strategie. Noch bevor der Verstand überhaupt bemerkt hat, was gerade passiert. Und es lässt uns auch dumme oder zumindest unvorteilhafte Dinge tun, solange es glaubt, dadurch unser «Überleben» zu sichern.

Das ist der Grund, warum wir in einem Gespräch, bei dem viel auf dem Spiel steht, plötzlich das Falsche sagen oder nachgeben, obwohl wir perfekt vorbereitet waren. Warum wir bei einer bestimmten Person keine Stellung beziehen, auch wenn die Argumente auf unserer Seite sind. Warum bemühte Versuche zu ungewünschten Ergebnissen führen können.

Warum wir manchmal unnötig emotional, frustriert oder wütend reagieren, obwohl wir eigentlich ruhig und gelassen bleiben wollten. Warum es überhaupt Situationen gibt, in denen wir uns selbst im Weg stehen. Und warum wir uns nach manchen Gesprächen vielleicht sogar fragen: «Habe ich das wirklich gerade gesagt?»

Ja, das war tatsächlich keine Einbildung. Aber es war auch keine bewusste Entscheidung. Es war der Einfluss eines Musters, das uns heute mehr Schaden als Nutzen bringt.

Jedes Problem ist ein Kommunikationsproblem.

Das klingt übertrieben, doch wir sehen es überall:

Der Konflikt, der bereits seit Monaten schwelt. Die Verhandlung, die immer wieder ins Stocken gerät. Der Mitarbeiter, der sich nur schwer führen lässt. Der Nachbar, mit dem kaum zu reden ist. Die Beziehung, die langsam erstickt oder immer mehr an Bedeutung verliert. All das sind nur die offensichtlichen Fälle. Aber da ist noch mehr.

Entscheidungen, die immer wieder aufgeschoben oder hinterfragt werden. Situationen, die sich ungut anfühlen, obwohl kein Problem da sein sollte. Ziele, die nur halbherzig oder vielleicht sogar nie verfolgt werden, obwohl die Schritte längst klar sind. Eingefahrene Verhaltens- und Reaktionsmuster, die sich wiederholen, obwohl sie kontraproduktiv sind.

Auch das sind Kommunikationsprobleme. Nicht zwischen Menschen, sondern zwischen Instanzen im eigenen System. Selbstverursacht, ganz ohne fremde Hilfe.

Verstand und Nervensystem sprechen verschiedene Sprachen.

Der Verstand argumentiert. Das Nervensystem reagiert. Der Verstand plant die Zukunft. Das Nervensystem wiederholt die Vergangenheit. Der Verstand will Veränderung. Das Nervensystem sucht Stabilität.

Die meisten Lösungsansätze richten sich an den Verstand: Bessere Strategien, klarere Ziele, mehr Willenskraft, mehr Information, mehr Motivationssprüche. Das kann viel Energie kosten, aber häufig funktioniert es – mal besser, mal schlechter –, so lange, bis es nicht mehr funktioniert.

Bis der Moment kommt, in dem unser Nervensystem übernimmt und die alten Muster stärker sind als jede bewusste Entscheidung. In dem wir so reagieren, wie wir nicht reagieren wollten, oder genau das nicht tun, was wir eigentlich geplant hatten. In dem wir uns vielleicht sogar so unklug verhalten, dass wir es sofort wieder vergessen wollen.

Das ist keine Charakterschwäche, sondern Fehlkommunikation.

Unser Nervensystem ist immer auf Sendung. Und es hat eine eigene Agenda. Sie bestimmt, was sich für uns «richtig» oder «falsch», «besser» oder «schlechter», «machbar» oder «unerreichbar», «interessant» oder «zum Weglaufen» anfühlt. Meist ohne dass wir es ernsthaft hinterfragen.

Vielen fällt es schwer, diese Sprache wirklich zu verstehen oder ihren Einfluss überhaupt wahrzunehmen. Sie bekämpfen Symptome und überschreiben immer wieder Signale mit ihrer Willenskraft. Sie ignorieren, was ihr Körper ihnen sagt, bis er irgendwann laut wird. Und selbst dann gelingt es ihnen nur selten, die Botschaften richtig zu interpretieren.

Nur wer lernt, auf diese innere Kommunikation Einfluss zu nehmen, löst Probleme an der Wurzel. Nicht durch mehr Anstrengung, sondern indem wir dem Nervensystem die Freiheit geben, bessere Alternativen zu wählen – und das loszulassen, was uns nicht mehr dient.

Doch natürlich geht es nicht nur um unsere innere Kommunikation, sondern auch um unsere Kommunikation nach aussen.

Denn was in uns passiert, bleibt nicht innen.

Was unser Nervensystem aussendet, empfangen auch die Menschen, die mit uns in Kontakt kommen. Unbewusst und ungefiltert, schon bevor das erste Wort gesprochen wird.

Manche Menschen betreten einen Raum und etwas verändert sich. Sie machen Eindruck, ohne sich anstrengen zu müssen. Sie überzeugen nicht, ihre Gesprächspartner überzeugen sich selbst. Ihre persönliche Wirkung verschafft ihnen scheinbar «unfaire» Vorteile. Nicht durch das, was sie mit Worten kommunizieren. Sondern durch das, was ihr System signalisiert.

Andere sagen zwar die richtigen Worte, aber kommen trotzdem nicht an. Weil ihr Nervensystem gegen sie arbeitet. Verhandlungspartner hören zwar ihre Argumente, aber sie reagieren nicht wie erhofft. Mitarbeiter folgen ihren Anweisungen, weil sie es müssen, nicht weil sie es wollen. Freunde fragen sie nach ihrer Meinung, doch sie folgen selten ihrem Rat. Menschen, die sie kennenlernen, sehen sie zwar. Aber sie sehen nicht, wer sie wirklich sind.

Tatsächlich sind Worte selten das grösste oder eigentliche Problem.

Das Problem ist das, was unter den Worten liegt: die Botschaften, die unser Nervensystem kommuniziert, während unser Verstand an der Oberfläche operiert. Botschaften, die nicht nur Gefühle und Verhalten steuern, sondern auch Identität formen.

Wer das versteht, sieht Kommunikation anders. Und wer das verändern kann, verändert mehr als Gespräche.

«Dass ich etwas in mir verändern musste, um von anderen Menschen anders wahrgenommen zu werden, wurde mir erst im Coaching mit Stefan klar. Wo ich immer von fachlichen Problemen ausgegangen war, bestand in Wahrheit ein reines Wirkungsproblem. Ich hatte mich monatelang ins Zeug gelegt, aber was ich kommunizierte, kam bei den entscheidenden Personen nicht an. Dabei hatte ich die Situation im Wesentlichen selbst gebaut und mir meine Wirkung kaputtgemacht, ohne es zu sehen. Jede Coaching-Session brachte Ergebnisse, die auf mich zugeschnitten und nicht wegzureden waren. Der starke Druck, den ich körperlich gespürt habe, hat sich vollständig aufgelöst, obwohl die Arbeitsbelastung eher höher geworden ist. Ich bekomme heute auf das, was ich sage, völlig andere Reaktionen, ohne dass ich etwas erzwingen muss.»

Bettina Duldner, Projektleiterin

Mein Hintergrund

Was ein Lebenslauf abbildet, ist nur ein kleiner Ausschnitt der Realität. Gewissermassen ein «Inhaltsverzeichnis», das oft überschätzt wird, aber trotzdem erwähnt werden sollte.

Hier meine Checkliste, weil manche sie gern lesen:

Über 25 Jahre Arbeit mit Menschen. Als Coach, Berater, Business-Ghostwriter, Seminarleiter und anderes mehr. In Kontexten, die unterschiedlicher kaum sein könnten.

Multidisziplinärer akademischer Hintergrund in Psychologie, Pädagogik, Philosophie und Medizin. Magister- und Promotionsabschluss. Dissertation über zwischenmenschliche Wahrnehmung.

Jahrzehnte an Weiterbildung – bei Praktikern, nicht in Hörsälen. Seit 1998 eigene Seminare zu Intuition, Menschenkenntnis und weiteren Themen, die sonst nur selten auf vergleichbare Weise vermittelt werden. Seit 2013 Arbeit mit traumainformierten Ansätzen.

So weit der formale Teil, der letztlich nur wenig erklärt.

Was sich schwerer beschreiben lässt, jenseits der Checkliste:

Die Fähigkeit, in einem Gespräch das zu hören, was nicht gesagt wird. Muster zu erkennen, die der andere nicht sieht. Fragen zu stellen, die etwas in Bewegung bringen, das vorher festsass. Zu sehen oder zu ahnen, was gebraucht wird, um das scheinbar Unerreichbare möglich zu machen.

Das ist keine Technik, die man irgendwo lernt, sondern eine Synergie aus vielen Techniken. Die Erfahrung aus Tausenden von Gesprächen. Das Ergebnis oft idiotischer Fehler, die mir wichtige Lernerfahrungen erst ermöglicht haben. Die Konsequenz aus eigenen blinden Flecken, die mir andere Menschen aufzeigen konnten. Und das Ergebnis von Perspektiven, die sich über Jahrzehnte entwickelt haben.

Von damals bis heute:

Angefangen hat alles in Seminarräumen und im Grossstadtumfeld. Heute arbeite ich mit meinen Klienten online aus meinem Homeoffice. Direkt am Waldrand im zweitgrössten Nationalpark Österreichs, wo meine einzigen direkten Nachbarn Feuersalamander sind, die bisher kein Interesse zeigen, sich von mir coachen zu lassen.

So gut wie alles, was ich tue, hat sich in den letzten Jahrzehnten deutlich weiterentwickelt und auch die Welt ist seit damals natürlich nicht stehengeblieben. Und dennoch gibt es eine Beobachtung, die ich immer schon bei den meisten meiner Klienten gemacht habe, ohne dass sich daran jemals etwas geändert hat.

Was fast jeder übersieht

Wir erkennen oft schnell, wo sich andere im Weg stehen. Bei uns selbst sehen wir es nicht. Oder nur teilweise. Oder zu spät. Wenn wir es überhaupt sehen wollen.

Und genau hier beginnt die eigentliche Arbeit.

Die meisten Menschen verwechseln ihre subjektive Interpretation der Realität mit objektiver Wahrnehmung, ihre Reaktivität mit zumindest teilweiser Reflektiertheit und ihre Grenzen mit den Grenzen des Möglichen.

Das sind keine Denkfehler und auch keine subtilen Anzeichen von Frühvergreisung. Es ist die normale Funktionsweise eines Systems, das auf Effizienz und Selbsterhalt ausgelegt ist, anstatt auf Wachstum und Veränderung.

Was die wenigsten gerne hören:

Je intelligenter ein Mensch ist, umso elaborierter sind oft die Geschichten, mit denen er seine Reaktionen erklärt und rechtfertigt. Desto überzeugender die Rationalisierungen. Desto gewöhnungsbedürftiger vielleicht auch der Gedanke, ein Problem nicht alleine lösen zu können. Und desto unsichtbarer die blinden Flecken.

Wer es gewohnt ist, zu verstehen und Recht zu haben, hat es häufig schwerer, Verzerrungen in der eigenen Wahrnehmung zu erkennen. Nicht wenn es um objektiv messbare Fakten geht, sondern wenn es um die subtilen Mechanismen geht, die ständig in uns wirken.

Doch auch Erkennen alleine bewirkt noch keine echte Veränderung.

Was wirklich zu tun ist

Muster, die tief in unserem Nervensystem verankert sind, sind keine Wahrheiten. Es sind emotional-mentale Konstrukte. Und solche Konstrukte lösen sich nicht durch Analyse auf.

Sie lösen sich erst dann auf, wenn sie ihre Bedeutung verlieren.

Das klingt abstrakt, doch der Mechanismus dahinter ist sehr konkret.

Ein tiefliegendes Muster bleibt aktiv, solange das Nervensystem ihm eine Funktion zuschreibt. Schutz. Kontrolle. Selbsterhaltung. Zugehörigkeit. Solange diese Funktion als notwendig wahrgenommen wird, wird das Muster verteidigt, egal wie genau der Verstand weiss, dass es falsch oder fehlerhaft ist.

Der Durchbruch passiert nicht, wenn wir ein Muster mit genügend Willenskraft bekämpfen.

Er passiert, wenn unser System erlebt, dass die damit verbundene Funktion nicht mehr benötigt wird. Nicht durch Nachdenken über das Problem, sondern durch eine Erfahrung, die dem Nervensystem neue Spielräume gibt. Und somit durch einen Erkenntnisprozess, der tiefer greift als rationales Verstehen.

Wie ich arbeite

Eine Session mit mir ist ein Gespräch. Keine Gesprächstherapie. Kein Kaffeekränzchen. Kein verbales Sparring. Sondern Wahrnehmungstraining.

Die Gespräche sind nicht unangenehm, aber meist herausfordernd. Es geht um Themen, die die wenigsten gerne ansehen, und oft um unbequeme Wahrheiten. Und meist auch darum, innere Hürden mit Humor zu nehmen. Weil die Freiheit, die wir alle suchen, hinter Widerständen liegt, denen wir uns bisher nicht gestellt haben.

Innere Konflikte aufzulösen kann sich im ersten Moment anstrengend anfühlen. Genauso wie das Annehmen neuer Möglichkeiten und das Integrieren ungewohnter Sichtweisen.

Trotzdem ist dieser Weg weniger mühsam, als noch Jahre weiterzumachen wie bisher.

Die Ergebnisse sehen immer wieder anders aus:

Gedanken, mit denen wir uns bisher selbst im Weg gestanden haben, verlieren an Bedeutung oder bleiben weg. Stress- und Druckgefühle verschwinden. Ungewünschte Reaktionsmuster werden nicht mehr ausgelöst oder sind leichter zu verhindern. Neue Gedanken und Ideen werden zugänglich, wo vorher das Denken blockiert war. Innere und äussere Konflikte werden lösbar oder lösen sich von selbst.

Drei Beispiele aus der Praxis:

Eine Klientin kam zu mir mit einem Thema, das sie seit 25 Jahren begleitete. Sie war zwischenmenschlich kompetenter und fachlich stärker als die meisten ihrer Vorgesetzten in ihrer Berufslaufbahn. Und sie wusste das auch. Trotzdem machte sie sich fast immer in deren Gegenwart klein. Nicht absichtlich. Es passierte einfach. In Meetings, in wichtigen Abstimmungen und in Momenten, in denen sie hätte klar Stellung beziehen können und oft auch fehlerhafte Abläufe direkt kritisieren müssen. Ihr war klar, dass sie sich falsch verhielt. Sie wusste, dass es keinen rationalen Grund dafür gab. Aber sie konnte es nicht ändern.

Nach einer einzigen Session war ein Muster aufgelöst, das sie jahrzehntelang beeinflusst hatte. Nicht abgeschwächt, nicht besser kontrollierbar, sondern weg. Der Umgang mit ihren Vorgesetzten veränderte sich grundlegend. In den folgenden Sessions bearbeiteten wir weitere Stressauslöser, die mit dem ursprünglichen Muster zusammenhingen, wobei besonders die vierte Session zusätzliche innere Ressourcen freilegte, die sie seitdem ganz selbstverständlich in früher schwierigen Situationen nutzt.

Heute ist ihr Arbeitsumfeld immer noch genauso fordernd und sie ist immer noch viel damit beschäftigt, Probleme zu lösen, die sie nicht verursacht hat. Aber ihre Wirkung auf die Menschen in ihrem Arbeitsumfeld hat sich völlig verändert. Und die Muster, die lange Zeit den Stress für sie potenziert haben, sind nicht mehr da.

Ein Unternehmer, mit dem ich bereits seit vielen Jahren immer wieder arbeite, kam mit einem Problem zu mir, das ihn irritierte. Er leitet ein grosses Vertriebsteam, verhandelt seit Jahrzehnten auf höchster Ebene und ist es gewohnt, den Ton anzugeben. Doch ein neuer Vertreter des Mutterkonzerns löste bei ihm deutlich mehr Stress aus, als für ihn rational nachvollziehbar war. Nicht weil der Mann besonders kompetent oder bedrohlich gewesen wäre. Im Gegenteil. Aber irgendetwas in der Dynamik aktivierte eine Reaktion, die nichts mit der aktuellen Situation zu tun hatte.

Was wir fanden, war eine einzige Überzeugung aus seiner Kindheit, die sich in einem Satz zusammenfassen liess. Ein Satz, der ihn sein ganzes Leben lang begleitet hatte, ohne dass er ihn je bewusst formuliert hätte. Es war nur eine Session nötig, um diesen Worten ihre Wirkung zu nehmen. Als der nächste Kontakt mit dem «Auslöser» stattfand, war das ungerechtfertigte Stressgefühl nicht mehr da. Der Name der Person, die das Problem zum Vorschein gebracht hatte, fiel auch später noch gelegentlich. Doch das bearbeitete Stressthema tauchte in keiner weiteren Session je wieder auf.

Ein Headhunter rief mich am frühen Nachmittag an. Extrem erfolgreich im obersten Segment seiner Branche, 60-Stunden-Arbeitswoche und trotzdem liebevoller und ausgeglichener Vater und immer alles unter Kontrolle. Bis seine Frau plötzlich durch eine gesundheitliche Krise ausfiel und sich von einem Tag auf den anderen nicht mehr um die Kinder kümmern konnte. Innerhalb kürzester Zeit wurde aus «alles im Griff» ein Stresslevel, das seinen Schlaf ruinierte.

Als er mich anrief, hatte er «seit 10 Tagen keine Nacht mehr geschlafen», wie er selbst sagte. Der Stress begann sich auf seine berufliche Leistung auszuwirken. Kein Burnout, keine Schlafstörung im medizinischen Sinn. Aber ein Körper, der klar signalisierte, dass es so nicht weitergehen konnte. Ich war damals gerade auf dem Weg nach Deutschland, also flog er noch am selben Tag von Zürich nach München, um mich dort persönlich zu treffen. Eine Session. Danach schlief er wieder normal. Wir blieben noch lange in Kontakt und das Thema kam nie zurück.

Jeder Mensch und jedes Problem ist anders, sodass jeder andere Ergebnisse bekommt. Was im Einzelfall passiert, kann sich letztlich nur im Gespräch zeigen. Und weil Beschreibungen niemals die eigene Erfahrung ersetzen, wird keine Session jemals langweilig.

Was notwendig ist

Es gibt Themen, die sich in einem einzigen Gespräch aus der Welt schaffen lassen, weil nur wenige Muster zu klären sind. Andere Themen erfordern mehrere Gespräche. Oft wirken verschiedene Themen zusammen, die aufeinander aufbauend gelöst werden müssen. Ein festes Schema gibt es hier nicht.

Was es gibt, sind Ergebnisse, die meist schneller eintreten als erwartet. Veränderungen, die mit anderen Ansätzen nie bewirkt wurden und die mit den bisherigen Strategien auch nicht erreichbar gewesen wären.

Die wichtigste Voraussetzung hierfür ist die Bereitschaft, wirklich hinzusehen.

Nicht nur zu reden, nicht nur mental verstehen zu wollen, sondern Gefühle zuzulassen, den eigenen Anteil zu sehen und Veränderung anzunehmen, auch wenn es sich im ersten Moment ungewohnt anfühlt.

Diese Haltung sollte vielleicht selbstverständlich sein, aber das ist sie nicht. Jedenfalls nicht für jeden.

Viele Menschen wollen Veränderung. Doch manche wollen die Resultate ohne den Prozess. Antworten, obwohl sie den entscheidenden Fragen ausweichen. Klarheit, ohne die Reinigung, die dafür oft nötig ist.

Wer bereit ist, den eigenen Teil beizutragen, bekommt Ergebnisse. Wer nicht dazu bereit ist, bekommt sie woanders auch nicht.

Der nächste Schritt

In einer ersten Session stelle ich viele Fragen und höre sehr genau zu. Dabei achte ich nicht nur auf die Worte, die gesagt werden. Ich nehme auch wahr, was mir das Nervensystem meines Gegenübers vermittelt. Um Impulse geben zu können, die so niemand zuvor gegeben hat, und den Blickwinkel auf eine Weise zu erweitern, die bisher ungenutzte innere Ressourcen nutzbar macht.

Wer herausfinden will, was auf diesem Weg möglich und erreichbar ist, schreibt eine E-Mail oder nutzt das Kontaktformular.

Ein paar Sätze zur Situation und zu den Themen, die nicht optimal laufen. Zur eigenen Sichtweise und vielleicht zum gewünschten Ergebnis. Ob nur zwei bis drei Sätze oder etwas länger, spielt keine Rolle. Es muss auch nicht perfekt formuliert sein, weil ich ohnehin der Einzige bin, der es liest.

Auf die Nachricht antworte ich in der Regel innerhalb von 48 Stunden. Dann folgt ein erstes Gespräch. 30 Minuten, in denen wir klären, wo die eigentlichen Hebel liegen, und die zeigen, ob eine Zusammenarbeit sinnvoll ist.

E-Mail-Adresse: mail@liekam.com

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